Am Mittwochmorgen erwarteten wir Schülerinnen und Schüler des LLG einen ganz besonderen Besuch hier bei uns in Grafenau. Als eine der wenigen ausgewählten Schulen in ganz Bayern hatten wir die Ehre, einen Teil des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks willkommen zu heißen.
Vier Profimusiker – ein klassisches Streichquartett aus zwei Geigen, einer Bratsche und einem Cello – brachten uns gemeinsam mit ihren Instrumenten das bewegte Leben von einem der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts näher: Dmitri Schostakowitsch.
Im Zentrum des Vormittags stand Schostakowitschs achtes Streichquartett. Die Musiker machten eindrucksvoll deutlich, dass dieses Werk weit mehr ist als eine bloße Abfolge von Tönen. Besonders greifbar wurde für uns Zuhörer die beklemmende Atmosphäre, in der das Quartett entstand. Die Musiker erklärten, wie Schostakowitsch unter ständiger Angst vor dem sowjetischen Regime in der UdSSR lebte und dennoch Kritik und Unzufriedenheit durch seine Musik zum Ausdruck bringen konnte. Einer der Musiker, der selbst familiäre Wurzeln in der UdSSR hat, schilderte die politische Situation aus persönlicher Erfahrung besonders eindrücklich.
In mehreren Abschnitten wechselten sich Erläuterungen zu Schostakowitschs Lebenssituation mit musikalischen Beispielen ab, wobei die Musiker einzelne Passagen gezielt vorspielten und erklärten. Zum Abschluss wurde das Werk noch einmal in seiner Gesamtheit aufgeführt, sodass wir die zuvor erläuterten Elemente im Zusammenhang erleben konnten.
Auch einige Schülerinnen und Schüler hatten sich im Vorfeld Gedanken gemacht und Songs ausgewählt, die – ähnlich wie Schostakowitschs Musik – gesellschaftliche Missstände thematisieren. So wurde beispielsweise „Haus am See“ von Peter Fox als kritischer Blick auf Materialismus und die Fixierung auf Statussymbole interpretiert. Der Klassiker „Zombie“ von den Cranberries hingegen spiegelt eindringlich die Angst vor Krieg und Gewalt wider – ein Thema, das Schostakowitsch jeden Tag begleitete und das auch heute nicht an Aktualität verliert.
Den Musikern des Symphonieorchesters war es ein besonderes Anliegen, uns zu vermitteln, dass Musik immer in enger Verbindung zu ihrem Urheber steht. Sie ist Ausdruck politischer Umstände, persönlicher Ängste und individueller Lebenserfahrungen. Durch die gelungene Kombination aus klassischem Meisterwerk und moderner Musikanalyse wurde uns die Kraft der Musik als Sprachrohr und Ausdrucksmittel vor Augen geführt.
Auch der frisch gewählte Bürgermeister Jonas Höcker und die erste Vorsitzende des Musikvereins Schlag, Christine Engel, ließen sich die Gelegenheit nicht nehmen, die Musiker bei dieser einzigartigen Möglichkeit zu hören. Ein herzliches Dankeschön an das Quartett für diesen bewegenden Einblick in die Macht der Töne! / Johanna Killinger und Anna-Lena Pichler